Steinmetzin

Anna Feldbauer ist die Gewinnerin der WorldSkills in ihrem Beruf als Steinmetzin. Im Interview mit Frau & Arbeit erzählt sie von ihrem Werdegang und warum sie sich für diese Arbeit entschieden hat.

Warum haben Sie sich für die Ausbildung zur Steinmetzin entschieden?

Ich wollte nie im Büro arbeiten und dann bin ich auf der BIM in Wels auf den Beruf der Steinmetzin gestoßen. Eigentlich wollte ich Gartengestalterin werden und hatte zu diesem Zeitpunkt auch schon einen Lehrplatz. Aber die Ausbildung zur Steinmetzin hat mich dann mehr überzeugt. Vor allem das kreative Gestalten hat mich fasziniert, ich wollte mit den Händen arbeiten und etwas Bleibendes schaffen. Und somit stand fest: Ich werde Steinmetzin.

Was machen Sie in der Arbeit genau?

Ich gestalte Grabsteine bzw. mache ich Grabinschriften und Ornamente. Überwiegend mit Handgravur, manchmal auch sandgestrahlt. Diese Inschriften und das Gestalten von Grabsteinen sind meine Hauptarbeit, die ich sehr gerne mache. Natürlich bin ich ab und an auch auf Baustellen.

Was braucht man für diese Tätigkeit?

Mumm, dass man sich bei den Männern durchsetzt. Durchhaltevermögen und Durchsetzungskraft sind auch sehr von Vorteil. Feingefühl, Geduld, Genauigkeit und vor allem das Gespür für das Material sind wichtig. Denn ein zweiter Versuch ist meist nicht möglich, die Gravur sollte beim ersten Mal passen. Fehler sind schwer zu korrigieren.

Wie hat Ihr Umfeld auf diesen Ausbildungsweg reagiert?

Mein Vater hat gemeint: „Geh sofort mal schnuppern, dann wirst du deine Meinung noch ändern. Das ist alles staubig, nass und schmutzig!“. Das war dann gar nicht der Fall, weil nach dem Schnuppern war für mich gleich klar, dass ich das machen will. Natürlich gab es Menschen, die mich schief angesehen haben, aber die meisten reagierten mit Verständnis und hatten auch Respekt.

Was war für Sie die größte Herausforderung?

Das ist nicht so einfach zu beantworten. Aber ich denke das war die Umstellung meines Lebensrhythmus wie z. B. das frühe Aufstehen, keine langen Ferien mehr waren eine Herausforderung für mich: Ich war keine Schülerin mehr, sondern Arbeiterin. Daran musste ich mich gewöhnen.

Was hat Sie dazu bewogen bei den WorldSkills mitzumachen?

Eine Vorgängerin von mir, Melanie Seidl* war die erste Frau die bei den WorldSkills mitgemacht hat und sie hat auch einmal gewonnen. Sie war dann mein großes Vorbild und ich habe mir gedacht, dass ich auch so weit kommen will. Und dass ich das auch kann. Ich habe mich dann spontan für die Teilnahme entschieden.

*Melanie Seidl war 2011 die erste Frau weltweit, die im Rahmen von WorldSkills bei den Steinmetzen antrat. 2012 holte sie den Titel bei EuroSkills. Heute ist sie mit „Hoamatstoa“ selbstständig.

Was möchten Sie Mädchen und Frauen, die sich für diesen Beruf entscheiden, mit auf den Weg geben?

Durchhaltevermögen, dranbleiben und nicht leichtsinnig alles hinschmeißen – einfach durchbeißen. Auch wenn es schwer ist und die Kollegen einen oft nicht ernstnehmen.

Was ist Ihnen sonst noch wichtig zu sagen?

Mein gutes familiäres und freundschaftliches Umfeld hat mich sehr unterstützt. Es ist sicher gut und eine große Hilfe, wenn man darauf zurückgreifen kann. Denn während der Pandemie war ungewiss, ob die WorldSkills überhaupt stattfinden. Da hat der Betrieb, in dem ich arbeite, mich sehr unterstützt, auch bei der Vorbereitung zur WM. Und mein Freund hat mich immer motiviert, zu trainieren und zu üben.

Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg auf Ihrem weiteren Weg.

Anna Feldbauer arbeitet für Kienesberger Steinmetzmeister GmbH & Co KG in Schlüsslberg, Oberösterreich.

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