Bautechnische Zeichnerin

Daniela P. hatte sich immer schon für Architektur interessiert und im Rahmen des FiT-Programms hat sie schließlich eine Ausbildung zur Bautechnischen Zeichnerin gemacht.

Alter bei Ausbildungsabschluss 37 Jahre
Region Flachgau
FiT Ausbildung Bautechnische Zeichnerin
Ausbildungsstätte/Firma Geoconsult ZTGmbH, Puch
Aktuelle Position/Tätigkeit Bautechnische Zeichnerin

Warum hast du dich für diese Ausbildung entschieden?

In meinem Heimatland Italien habe ich Architektur studiert, das Studium aber leider nicht abgeschlossen. Vor ein paar Jahren bin ich dann nach Österreich gekommen und habe hier als Zimmermädchen und Telefonistin gearbeitet. Durch eine Bekannte habe ich von FiT erfahren und mich erkundigt, welche Ausbildungen möglich sind. Da bin ich auf die bautechnische Zeichnerin gestoßen. Ein Bereich, der mich sehr interessiert.

Was machst du in der Arbeit genau?

Ich zeichne 3D und AutoCAD am Computer. Gemeinsam mit meinem Chef oder dem Projektleiter besprechen wir, was benötigt wird und anschließend erstelle ich den Plan. Gemeinsam prüfen und ändern wir und machen gegebenenfalls Anpassungen. Wenn alles passt, stelle ich den Plan fertig.

Was braucht man für diese Tätigkeit?

Logisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen, also dreidimensional denken können ist hilfreich, offen sein für Neues und lösungsorientiert. Und auch das Arbeiten im Team sollte man mögen, da bei fast allen Projekten Teamarbeit gefordert wird. Speziell wenn Fragen auftauchen, die dann gemeinsam bearbeitet werden.

Wie hat dein Umfeld auf diesen Ausbildungsweg reagiert?

Sehr gut! Ich bin alleinerziehende Mutter, mein Sohn ist heute 8 Jahre alt. Es ist nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu bekommen mit lernen und Mama sein. Ich habe sehr viel Unterstützung bekommen von meinem Papa, meinen Schwestern und meinen Freund*innen. Besonders schön war, dass mir alle gesagt haben: „Natürlich schaffst du das!“

Was hat dir diese Ausbildung gebracht?

Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich das geschafft habe. Durch die Ausbildung habe ich mehr Selbstvertrauen. Ich sehe jetzt Rosa und nicht mehr Grau, weil mir die Ausbildung neue Perspektiven eröffnet. Ich will nicht stehenbleiben, wo ich heute bin, ich will noch mehr schaffen und ich weiß, ich kann noch mehr erreichen. Vor allem der Bereich 3D interessiert mich sehr, da möchte ich mich weiterbilden. Das muss nicht sofort sein, ein bisschen später, wenn mein Sohn größer ist.

Was war für dich die größte Herausforderung?

Meine größte Herausforderung war die deutsche Sprache, gerade in der Berufsschule. Es war nicht einfach, alles zu verstehen. Manchmal habe ich sogar gedacht, dass ich es nicht schaffe. Meine Kolleginnen und Kollegen in der Firma und in der Berufsschule habe mir hier viel geholfen. Jetzt bin ich fertig und sehr stolz auf mich.

Wer bzw. was hat dir geholfen, dein Ziel zu erreichen?

Meine Freundin, die mir gesagt hat, dass es das FiT-Programm gibt, weil so hat alles angefangen. Ich habe mir vorgenommen, es zu probieren und mich dabei nicht unter Druck gesetzt, dass ich es schaffen muss. Im schlimmsten Fall, wenn es nicht klappt, dann habe ich Deutsch gelernt, das war mein Gedanke.

Was war dein größtes Erfolgserlebnis?

Mit dieser Ausbildung habe ich neue Perspektiven und Möglichkeiten, um mich weiterzuentwickeln, das ist mein größter Erfolg. Die bestandene Abschlussprüfung war ein großes Erlebnis, weil sich damit viele Türen öffnen und ich die Chance habe, noch mehr zu erreichen.

Was möchtest du anderen FiT-Teilnehmerinnen mit auf den Weg geben?

Ausprobieren, an sich glauben und positiv denken. Man kann nur gewinnen. Denn das Schlimmste, das passieren kann, ist eine gute Erfahrung zu machen und etwas fürs Leben zu lernen.

Was ist dir sonst noch wichtig zu sagen?

Danke an die Firma und das FiT-Team für diese Möglichkeit und das Vertrauen in mich.

Ich will mich auch für die Unterstützung durch den österreichischen Staat bedanken. Ich bin alleinerziehende Mutter und ohne Hilfe wäre mir das nicht möglich gewesen. Die Betreuung für meinen Sohn, die Möglichkeit, diese Ausbildung zu machen – für all das bin ich dankbar.

Und was sagt der Betrieb?
Wir haben mit Alois Gruber gesprochen, Leiter Aus- und Weiterbildung bei binderholz.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Frauen in technischen Berufen?

Unserer Erfahrung nach arbeiten Frauen genauer als ihre männlichen Kollegen. Was natürlich ein Vorteil ist, weil die Fehlerquote geringer ist. Frauen haben auch weniger Scheu, Fragen zu stellen, was sehr wichtig ist, damit nicht in die falsche Richtung gearbeitet wird. Gleichzeitig beobachten wir, dass sich Frauen anfangs nicht so viel zutrauen bzw. ihnen nicht so viel zugetraut wird.

Wie stehen Sie zu erwachsenen Lehrlingen?

Sehr positiv, da erwachsene Lehrlinge wissen, was sie wollen. Sie haben schon einiges im Berufsleben gesehen und sind dann doch sehr sicher in ihrer Wahl der Ausbildung.

Was würden Sie einer erwachsenen Frau raten, die eine Lehre im technischen Bereich machen möchte? Was ist wichtig? Worauf kommt es an?

Ausprobieren ist aus meiner Sicht das Wichtigste. Nicht zu sagen „Das habe ich noch nie gemacht, das kann ich nicht“. Sich selbst etwas zutrauen, mutig sein und ausprobieren. Was soll schon Schlimmes passieren? Man kann jederzeit bei Kolleg*innen nachfragen, wenn man ansteht, nicht weiter weiß oder es ein Problem gibt. So kann man jedes Problem meistern.

Möchten Sie speziell zu Daniela P. noch etwas sagen?

Daniela ist neugierig und interessiert, zwei Eigenschaften die wichtig sind im Beruf als Bautechnische Zeichnerin. Daniela soll sich das beibehalten und weitermachen wie bisher. Sie ist auf einem sehr guten Weg, ihre Kenntnisse zu erweitern. Wenn sie so weitermacht, kann sie noch viel erreichen.

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