Tapeziererin & Dekorateurin

Laura K. fand die Liebe zu ihrem jetzigen Beruf bereits mit der Nähmaschine ihrer Oma.

Alter bei Ausbildungsabschluss 21 Jahre
Region Flachgau
FiT Ausbildung LAP Tapeziererin und Dekorateurin (über AQUA/Laturo)
Ausbildungsstätte/Firma Wohnideen Karl, Oberndorf
Aktuelle Position/Tätigkeit Tapeziererin und Dekorateurin im Ausbildungsbetrieb

Warum hast du dich für diese Ausbildung entschieden?

Schon in der Hauptschule hatte ich technisches Werken und besonders Näharbeiten machten mir richtig Spaß. Im Poly wählte ich wie die meisten den Zweig „Dienstleistung“. Nach vielen Schnuppertagen bemerkte ich, dass ich im Verkauf viel Freude an der Arbeit hatte und begann eine Lehre als Verkäuferin.

Nach einigen Monaten fiel mir die Nähmaschine meiner Oma ein und ich durfte sie mir ausborgen. Da die Maschine bei mir im Zimmer stand, nahm ich alte Jeans und Bettwäsche und nähte daraus viele Handtaschen, kleine Kosmetiktaschen und Polster. Darin war ich richtig gut, bis leider die uralte Nähmaschine kaputt ging.

Als die Lehre zur Einzelhandelskauffrau zu Ende ging, wollte ich in einen kreativen Beruf. Mir hat das, was ich verkauft habe, nicht mehr so viel Freude bereitet wie das Nähen zuhause. Deshalb habe ich mich beim AMS gemeldet und über diesen Weg eine Firma gesucht, die handwerkliche, aber auch kreative und feinfühlige Arbeit bot.

Was machst du in der Arbeit genau?

Ich verlege Böden aller Varianten, tapeziere jede Wand mit beliebigen Mustern, polstere noch so alte Möbel auf das Modernste (oder auch einen anderen Stil) und nähe ganz flott Vorhänge aus verschiedensten Arten von Stoff. Vorhangstangen werden ebenso montiert wie Sonnen-, Insekten- und Sichtschutz.

Ich genieße jeden Tag in dieser Firma, denn die Vielfalt unseres Angebotes für die Kundschaft bereitet auch mir eine große Abwechslung. Mal ist man dort Boden legen und am nächsten Tag schon am Vorhangnähen. Echt klasse.

Was braucht man für diese Tätigkeit?

Auf jeden Fall ein gutes Auge im Sinne von Perfektion, vom Polstern bis hin zum Montieren eines Sonnenschutzes. Fingerfertigkeit, Kraft, Hilfsbereitschaft, Engagement, kreatives Denken und Zuverlässigkeit.

Wie hat dein Umfeld auf diesen Ausbildungsweg reagiert?

Die Worte meiner Mama werde ich nie vergessen: „Ich hoffe, du machst jetzt das Richtige. Bitte mach danach nicht noch eine Lehre!“ Aber dann haben sie und meine Schwester mich in allem toll unterstützt, sie standen wirklich hinter mir. Manche Freunde fragten sich zu Beginn, warum ich wieder etwas Neues anfing und ob das schon sinnvoll sei.  Aber bald waren sie ebenfalls der Meinung, ich sollte das tun, was mich glücklich macht.

Was hat dir diese Ausbildung gebracht?

Rein formal einen Lehrabschluss in verkürzter Lehrzeit. Aber vor allem eines: ich habe das Fachwissen in mir und auch das Handwerk im Gespür – aber so richtig. Und die Begeisterung für meinen Beruf ist ja deutlich, oder?

Was war für dich die größte Herausforderung?

Die Abschlussprüfung, denn da musste ich alles innerhalb von neun Stunden erledigen: Eine Koje dekorieren mit Vorhang, Hocker, Tapete und passendem Boden. Und das in allen Einzelschritten mit aufeinander abgestimmten Farben und Materialien! Also Vorhang nähen, Hocker polstern, Wand tapezieren, Boden verlegen. Zusätzlich musste ich vor den Prüfern eine gute Dreiviertel-Stunde lang noch mein Fachwissen unter Beweis stellen.

Wer bzw. was hat dir geholfen, dein Ziel zu erreichen?

Mein Ehrgeiz. Meine Kollegen, die sich immer Zeit für mich nahmen und mir alles zeigten. Aber am meisten mein Chef, der mir in aller Ruhe vieles erklärte und beibrachte.

Was war dein größtes Erfolgserlebnis?

Davon gibt es einige. Am besten war das Gefühl, einen Auftrag selbst zu erledigen, ohne Hilfe einer anderen Person. Da gehört einen Boden zu verlegen genauso dazu, wie eine Vorhangstange beim Kunden zu montieren.

Was möchtest du anderen FiT-Teilnehmerinnen mit auf den Weg geben?

Schnuppern, schnuppern, schnuppern. Je mehr man von vielen verschiedenen Berufen erfährt und ausprobiert, desto eher findet man zu seiner Lieblingstätigkeit. Damals mit 15 Jahren habe ich in „nur“ vier Berufen geschnuppert. Und wie man sieht, war dies genau eine Sparte zu wenig.

Was ist dir sonst noch wichtig zu sagen?

Man soll sich von einer kraftaufwändigen Arbeit nicht abschrecken lassen. Sondern wirklich vorbeikommen und sich den Job ansehen. Denn erst wenn man es ausprobiert hat, kann man sagen, ob es einem gefällt oder nicht.

 

Und wie sieht das der Betrieb? Wir haben Christoph Karl gefragt, den Inhaber der Firma Wohnideen Karl in Oberndorf:

Was sind Ihre Erfahrungen mit Frauen in handwerklichen und technischen Berufen?

Unsere Erfahrungen mit Frauen im Beruf Tapezierer*in und Dekorateur*in sind sehr gut. Neben Laura habe ich noch eine weitere Facharbeiterin mit dieser Ausbildung, die seit über 15 Jahren bei uns tätig ist. Bei unserem Beruf sind neben den handwerklichen Fähigkeiten auch Kreativität und ein Gespür für die Materialien gefragt. Mode und Trends spielen bei uns auch immer eine große Rolle und da sind Frauen meistens interessierter bzw. begabter.

Wie stehen Sie zu erwachsenen Lehrlingen?

Ein Lehrling mit 15 Jahren weiß oft noch nicht, was er/sie beruflich will bzw. gibt es auch viele andere Dinge, die in dieser Lebensphase sehr wichtig sind (z. B. erste Liebe, Mopedführerschein, Ausgehen). Der Vorteil von erwachsenen Lehrlingen ist es, dass sie einfach schon reifer sind und wissen, was sie wollen bzw. sich auch etwas mit dem Beruf aufbauen oder erarbeiten wollen. Bei Laura habe ich sofort gesehen, dass sie von dem Beruf begeistert ist, auch wenn es manchmal Arbeiten gibt, die nicht so schön oder toll sind. Sie ist immer voll bei der Sache. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass erwachsene Lehrlinge mobiler sind – sprich, sie haben schon einen Führerschein.

Was würden Sie einer erwachsenen Frau raten, die eine Lehre als Tapeziererin und Dekorateurin machen möchte? Was ist wichtig? Worauf kommt es an?

Sie soll vor dem Handwerk keine Angst haben, weil es eigentlich nichts gibt, was man nicht erlernen kann. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und Übung macht den Meister. Ihr sollte aber bewusst sein, dass zu diesem Beruf auch das Verlegen von Böden gehört, was eine körperlich anstrengende Arbeit ist. Je nach Firma sollte man schauen, wo die Arbeitsschwerpunkte liegen, denn jeder Raumausstatter hat sich auf etwas anderes spezialisiert.

Möchten Sie speziell zu Laura K. noch etwas sagen?

Wir sind sehr froh, dass sie den Schritt gewagt hat, etwas Neues zu erlernen. Sie kann stolz darauf sein, was sie bisher erreicht hat, denn immerhin hatte sie eine verkürzte Lehrzeit und musste die dritte Klasse der Berufsschule im Home-Schooling absolvieren. Ich bin mir sicher, wir werden noch sehr viel Freude mit unserer Laura haben und mal schauen, wo ihre „Reise“ in dem Beruf hingeht.

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