Elektrotechnikerin

Michaela G. hat keine Angst vor Strom: sie baut Schaltschränke für Photovoltaikanlagen und ist glücklich mit ihrer Berufswahl.

Alter bei Ausbildungsabschluss 41 Jahre
Region Salzburg Stadt
FiT Ausbildung LAP Elektrotechnikerin Spezialmodul Gebäudeleittechnik
Ausbildungsstätte/Firma ERA Elektrotechnik Ramsauer GmbH, Wals (über AQUA/Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung)
Aktuelle Position/Tätigkeit Elektrotechnikerin bei Ing. Johann Pöllitzer GmbH, Bergheim

Warum hast du dich für diese Ausbildung entschieden?

Ich wollte schon immer etwas Technisches machen, aber damals waren die Betriebe noch nicht so offen für Frauen in diesem Bereich. Daher lernte ich Bürokauffrau und arbeitete 20 Jahre in diesem Beruf. Aber irgendwann wollte ich mich verändern und bin so ins FiT-Programm gekommen. Zunächst war das Ziel Mechatronik, weil mich die Verbindung von Mechanik und Elektronik interessierte. Mein ursprünglicher Lehrbetrieb ging aber nach kurzer Zeit in Konkurs und ich musste einen neuen suchen. So kam ich dann zur Ausbildung als Elektrotechnikerin.

Elektrotechnik hat mich schon immer fasziniert. Ich hatte keine Angst vor dem Umgang mit Strom. Im Gegenteil, ich finde es interessant, weil man die Hintergründe kennt und die Anlagen dann richtig steuern kann.

Was machst du in der Arbeit genau?

Wir bauen unter anderem Schaltschränke für Photovoltaikanlagen. Da muss ich das Gerät einrichten, Montageplatten bohren, Löcher entgraten, Kabelkanäle festnieten, Schienen montieren, Geräte aufklicken, laut Plan verdrahten, die Montageplatte in den Schaltschrank hängen und dann testen, ob alles funktioniert.

Was braucht man für diese Tätigkeit?

Man muss gut mit Zahlen umgehen können und ein Verständnis für Mathematik und Physik haben. Und darf nicht schusselig sein, sondern muss besonnen arbeiten, weil es durch den Strom letztlich auch lebensgefährlich sein könnte. Anfangs ist da ein gesunder Respekt durchaus angebracht. Ein gewisses handwerkliches Geschick ist genauso vonnöten wie eine gute körperliche Verfassung. Es ist manchmal schon anstrengend, man muss auch mal schwer heben. Da sich in diesem Bereich ständig etwas Neues tut, hört außerdem das Lernen nie auf.

Wie hat dein Umfeld auf diesen Ausbildungsweg reagiert?

Sehr positiv. Sie wussten, dass das meines ist. Und jetzt freuen sich alle mit mir und sind stolz, dass ich es geschafft habe.

Was hat dir diese Ausbildung gebracht?

Ich habe viel Neues gelernt, mir neues Wissen angeeignet und dadurch mehr Selbstbewusstsein bekommen. Mein Interesse für die Elektrotechnik ist dadurch noch größer als vorher und ich möchte später die Meisterprüfung machen.

Was war für dich die größte Herausforderung?

Die Verbindung von Theorie und Praxis, die Umsetzung. Teilweise war es schwer, die Zusammenhänge zwischen dem Gelernten herzustellen, aber das ist Erfahrungssache und wird immer besser. Ich musste auch erst wieder ins Lernen hineinkommen, mir ein System zurechtlegen. Aber ich wusste schon, dass ich eher ein visueller Typ bin. Also habe ich mir viel aufgeschrieben und Zeichnungen gemacht. Natürlich waren auch die Schließung des ursprünglichen Lehrbetriebs und der Druck, in kurzer Zeit eine neue Firma zu finden, ein großer psychischer Stress. Aber da hatte ich Glück.

Wer bzw. was hat dir geholfen, dein Ziel zu erreichen?

Der Teamleiter im Betrieb hat mir die Sachen, wenn es sein musste, auch zehn Mal erklärt und die Kollegen haben mich ebenfalls unterstützt. Anfangs gab es sogar einen firmeninternen Unterricht für die Lehrlinge, das war sehr hilfreich. Privat habe ich viel Unterstützung bekommen, vor allem von meiner Partnerin. Sie hat mich abgefragt, wenn ich für eine Prüfung lernen musste. Und mein Freundeskreis hat verständnisvoll reagiert, wenn ich keine Zeit hatte. Auch die moralische Unterstützung durch Frau & Arbeit hat mir geholfen, manch schwierige Situation zu meistern.

Was war dein größtes Erfolgserlebnis?

Die LAP geschafft zu haben! Vorher in der Berufsschule hatte ich ja sehr gute Noten (dreimal ausgezeichneten und einmal guten Erfolg). Aber die letzten Wochen vor der LAP waren sehr stressig. Wir mussten in der letzten Klasse wegen der Corona-Pandemie sehr viel selbst erarbeiten. Die Zeit zwischen Berufsschule und LAP wurde sehr knapp, die Termine wurden kurzfristig angesetzt. Dazu kommt, dass der Beruf sehr breit gefächert ist und mir zum Beispiel die Praxis auf Baustellen fehlte. Aber es ist alles gut gegangen und ich war froh, als es vorbei war.

Was möchtest du anderen FiT-Teilnehmerinnen mit auf den Weg geben?

Wenn du den Wunsch hast, etwas zu verändern, dann tu es! Warte nicht, dass es dir in den Schoß fällt. Hab keine Scheu, sondern trau dich! Und während der Ausbildung: fragen, fragen, fragen!

Was ist dir sonst noch wichtig zu sagen?

Ich bereue es nicht, sondern ich bin sehr glücklich damit!

Und was sagt der Betrieb?
Wir haben mit Günther Kriechhammer, Geschäftsführer Pöllitzer Steuerungstechnik und Schaltanlagenbau in Bergheim, gesprochen:

Was sind Ihre Erfahrungen mit Frauen in technischen Berufen?

Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Frauen gemacht, Michaela ist bei uns nicht die einzige Frau in diesem Bereich. Das technische Verständnis ist unabhängig vom Geschlecht. Und wenn etwas Schweres gehoben werden muss, helfen die Kollegen mit, das ist bei Männern nicht anders. Ein Mann kann ja auch nicht alles alleine heben.

Wie stehen Sie zu erwachsenen Lehrlingen?

Wir sehen das sehr positiv. Eine Mitarbeiterin war vorher Kellnerin, hat dann die Lehre zur Elektrotechnikerin und schließlich sogar noch die Werkmeisterprüfung gemacht. Jugendliche sind eventuell noch leichter formbar, ändern ihre beruflichen Ziele aber vielleicht nach der Lehre. Und andererseits haben Erwachsene, wo das Interesse vorhanden ist, sich das reiflich überlegt und sich genau diesen Beruf ausgesucht.

Was würden Sie einer erwachsenen Frau raten, die eine Lehre im technischen Bereich machen möchte? Was ist wichtig? Worauf kommt es an?

Es ist ganz wichtig, dass sie sich den Beruf in der betrieblichen Praxis anschaut, ein bis zwei Wochen schnuppert. Wenn das technische Verständnis und Interesse da sind und sich im Praktikum bestätigen, dann ist das FiT-Programm genau richtig. In der Elektrotechnik muss man sich der Gefahren bewusst sein. Die Arbeit mit Strom ist ein sensibler Bereich, man kann einen höheren Schaden anrichten, wenn man mit dem Kopf nicht bei der Sache ist. Man muss verantwortungsbewusst sein und natürlich auch gewisse Vorgaben und Gesetze einhalten, um schwerwiegende Folgen eines Fehlers zu vermeiden. Aber natürlich darf man nach gewisser Praxis auch keine Angst mehr vor dem selbstständigen Arbeiten haben. Dazu wird man in der Lehre und danach hingeführt.

Möchten Sie speziell zu Michaela G. noch etwas sagen?

Wir haben mit ihr einen guten Griff gemacht, wie man so schön sagt. Sie hat unmittelbar nach der LAP bei uns begonnen und wir sind sehr zufrieden. Wir sind ja kein allgemeiner Elektrotechnikbetrieb, sondern auf Schaltanlagen spezialisiert. Da dauert es normalerweise bis zu einem dreiviertel Jahr, bis jemand das beherrscht. Bei Michaela geht es sehr gut und schnell, sie findet sich super zurecht und macht ihre Sache wirklich gut.

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