Bautechnische Zeichnerin

Die Welt von Enisa M. sind Zahlen und der Computer. Als Bautechnische Zeichnerin hat sie ihren Traumberuf gefunden und zeichnet Ein- und Mehrfamilienhäuser ebenso wie Gebäudeteile.

Alter bei Ausbildungsabschluss 39 Jahre
Region Salzburg Stadt
FiT Ausbildung LAP Bautechnische Zeichnerin (über AQUA/Laturo)
Ausbildungsstätte/Firma Binderholz Bausysteme, Hallein
Aktuelle Position/Tätigkeit Bautechnische Zeichnerin in der Technik-Abteilung

Warum hast du dich für diese Ausbildung entschieden?

Ich hatte schon vorher beruflich mit Informatik zu tun. Bei meinem Wiedereinstieg suchte ich eine Arbeit am Computer, aber etwas Visuelles, wo auch ein konkretes Ergebnis sichtbar ist. Genau das habe ich als Bautechnische Zeichnerin gefunden.

Was machst du in der Arbeit genau?

Ich zeichne verschiedene Gebäude, Ein- und Mehrfamilienhäuser oder Teile von Gebäuden, z.B. Wände aus Massivholz. Diese Pläne gehen dann in die Produktion, wo aus unseren standardisierten Schichtaufbauten Platten produziert und dann die genau passenden Bauteile gemacht werden. Zum Beispiel eine Wand aus Brettsperrholz, wo die Fenster und Türen im richtigen Maß ausgeschnitten sind. Unsere Kund*innen sind Baufirmen und Architekt*innen. Wir bekommen die Pläne, müssen die Statik überprüfen und bei der Planung auch den Transport der Platten berücksichtigen. Bei überdimensionalen Platten braucht es einen Sondertransport und dieser bringt natürlich ganz besondere Herausforderungen mit sich.

Was braucht man für diese Tätigkeit?

Man braucht fundierte technische Kenntnisse, aber vor allem muss man gut und gerne mit Zahlen umgehen, viel umrechnen, am Computer arbeiten. Außerdem muss man sehr genau sein, ich muss oft die Bauteile auf einen Millimeter genau anpassen. Es geht auch darum, Details zu erkennen und auf alles exakt zu achten, damit alles zusammen passt. Aber das kommt mit der Erfahrung, da bekommt man einen Blick dafür.

Wie hat dein Umfeld auf diesen Ausbildungsweg reagiert?

Sehr positiv. Mein Mann hat mich wirklich unterstützt. Er hat gesagt: „Wir machen das zusammen, wir schaffen es!“. Mit zwei kleinen Kindern geht das fast nicht anders.

Was hat dir diese Ausbildung gebracht?

Selbstvertrauen und die Bestätigung, dass ich mein Ziel erreichen kann. Eine bessere Lebensqualität. Eine Arbeit, die geschätzt wird, und viel Freude an der Arbeit.

Was war für dich die größte Herausforderung?

Alles zu managen: Berufsschule, Job, Kinder, Mann. Am Anfang hatte mein Sohn den ersten Schultag und ich gleichzeitig meinen Start in der Berufsschule. Und es war schon auch eine Herausforderung, das alles zu bewerkstelligen, obwohl ich nicht in Österreich aufgewachsen bin und diese Fachbegriffe nicht alle kenne. Am Ende stand ich auf der gleichen Ebene wie die anderen. Ich bin nun stolz auf mich und auf alle anderen, die es mit mir geschafft haben.

Normalerweise bin ich ein positiv denkender Mensch. Aber vor der LAP war ich ziemlich pessimistisch. Es war so viel Stoff und ich konnte beim Lernen nicht so in die Tiefe gehen, wie ich es als Perfektionistin eigentlich wollte. Aber ich habe mit ‚gutem Erfolg' abgeschlossen und freute mich sehr darüber.

Wer bzw. was hat dir geholfen, dein Ziel zu erreichen?

Wie gesagt, mein Mann war eine große Stütze in Bezug auf die Kinder. Und wenn er weg war, musste ich mich mit meiner Firma organisieren, da gab es auch gute Lösungen.

Von der Ausbildung her hat sich binderholz mit allen Lehrlingen und Fachkräften große Mühe gegeben, sie kümmern sich wirklich um alle sehr gut. Ich war sogar fünf Tage in unserer Brettsperrholz-Produktion in Unternberg im Lungau, um die einzelnen Produktionsschritte kennen zu lernen. Dieses Hintergrundwissen ist natürlich auch für meine Arbeit sehr hilfreich.

Eine Kollegin, die in der Ausbildung schon weiter war, hat mir Unterlagen gegeben und so konnte ich mich in ruhigeren Zeiten bereits damit beschäftigen. Mein Fachausbilder hat uns spezielle Begriffe erklärt und wir bekamen von binderholz alles, was wir brauchten.  

Und nicht zu vergessen: Gerade am Anfang im FiT-Programm war es hilfreich, durch die Beratung bei Frau & Arbeit und die Basisqualifizierung am BFI, die Richtung angezeigt zu bekommen, wohin ich gehen kann und was die nächsten Schritte sind.

Was war dein größtes Erfolgserlebnis?

Die LAP mit ‚gutem Erfolg‘. Und die Übernahme durch binderholz. Signale dafür gab es ja von Anfang an, es hieß: „Wir bilden dich aus, damit du nach deinem Lehrabschluss ein fester Bestandteil unseres Fachkräfteteams bist.“

Was möchtest du anderen FiT-Teilnehmerinnen mit auf den Weg geben?

Positiv sein, an sich glauben, Zähne zusammenbeißen, durchhalten. Auch wenn ihr Zweifel habt, sagt euch: „Ich schaffe das.“ Das wirkt. Aller Anfang ist schwer. Im ersten Monat meiner Ausbildung war ich schon sehr gestresst, das hat sich dann aber gelöst. Je mehr man weiß, desto besser kann man Neues aufnehmen und Baustein für Baustein hinzufügen.

Was ist dir sonst noch wichtig zu sagen?

Ich habe für alles selbst eine Lösung gefunden. Aber es war gut zu wissen, dass meine Ausbildungsbegleiterin da gewesen wäre, wenn ich Hilfe gebraucht hätte.

Und was sagt der Betrieb?
Wir haben mit Alois Gruber, Leiter Aus- und Weiterbildung bei binderholz, gesprochen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Frauen in technischen Berufen?

Die sind durchwegs positiv. Wenn Interesse vorhanden ist, können Männer und Frauen gleichermaßen gute Friseure oder Metalltechnikerinnen werden. Wenn jemand überzeugt ist, stehen bei uns Tür und Tor offen. Die körperlichen Anforderungen spielen heute keine so große Rolle mehr, da gibt es oft Maschinen zur Unterstützung. Wichtig ist, dass jemand unbedingt diesen Beruf machen will. Technische Potenziale schlummern genauso bei Frauen wie bei Männern. Und eine gute Durchmischung ist von Vorteil für die zwischenmenschlichen Komponenten in der Arbeit. Wir wollen gerne mehr Frauen in technischen Berufen wie Holztechniker*in, Metalltechniker*in, Elektrotechniker*in oder Mechatroniker*in ausbilden.

Wie stehen Sie zu erwachsenen Lehrlingen?

Wir stellen öfter Erwachsene als Lehrlinge ein. Sie sind in einer anderen Lebensphase und wissen genau, was sie wollen. Natürlich müssen sie während der Ausbildung auch klassische fachbezogene Lehrlingstätigkeiten verrichten. Insgesamt machen wir gute Erfahrungen mit Erwachsenen in Ausbildung. Wir sind für alle offen. Denn die Bildungswege verändern sich  stark, der Pool an Lehrlingen wird immer vielfältiger, vom Alter, von der Vorbildung und von der Herkunft her.

Was würden Sie einer erwachsenen Frau raten, die eine Lehre im technischen Bereich machen möchte? Was ist wichtig? Worauf kommt es an?

Sie muss tatsächliches Interesse für den Beruf mitbringen und von sich überzeugt sein. Sie muss es wirklich machen wollen. Falls sie Kinder hat, muss die Betreuung gut geregelt sein. Und sonst wird bei uns von Frauen dasselbe verlangt wie von Männern. Die Holzindustrie ist an sich sehr männerlastig, deshalb werden Frauen von den Kollegen fast hofiert und sehr unterstützt, aber grundsätzlich müssen alle die gleiche Leistung bringen.

Möchten Sie speziell zu Enisa M. noch etwas sagen?

Sie hat das mit Bravour gemacht und ich gratuliere ihr herzlich. Sie hat ihre private Situation mit zwei kleinen Kindern gut gemanagt, natürlich sind wir ihr da manchmal entgegengekommen, aber prinzipiell war es ihre Sache. Und als Frau mit Migrationshintergrund hatte sie zusätzliche einige Herausforderungen (v.a. sprachlich) zu bewältigen, das hat sie gut gemeistert. Und deshalb ist der Erfolg umso höher zu gewichten. Wir freuen uns, dass sie jetzt als Fachkraft weiterhin in unserem Team ist.

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